Zeit kompensiert die Nachteile von Größe

Luhmann (1980): Temporalisierung von Komplexität. Zur Semantik neuzeitlicher Zeitbegriffe. In: ders., Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Bd. 1, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 235 –300.

Ausgangspunkt: Das Problem der Zeit

„Im Rahmen der Theorie sozialer Systeme wurde dieses Problem bisher unter dem Gesichtspunkt von Stabilität behandelt. Zeit wird [üblicherweise] als durch Uhren messbare Dauer begriffen, in der die Erhaltung des Systems zum Problem werden kann. Erhaltung ist in einer komplexen und fluktuierenden Umwelt nur möglich, wenn das System selbst dynamisch wird. Es muss eigene Prozesse ermöglichen, die je nach Umweltlage zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, und es muss in gewissem Umfange auch die eigenen Strukturen ändern können [Lernen], um sich wechselnden Umwelten anpassen zu können. Dabei kann Flexibilität der Strukturen funktional äquivalent sein für Änderungen, das heißt Änderungen in gewissem Umfange ersparen“ (Luhmann 1980: 235).

[Problem der Zeit, Problem der Dauer, Problem der Stabilität]

Zeit als Orientierungs- und Arrangierraum für die Gestaltung sozialer Beziehungen

Begriff der Komplexität. Ist allgemeiner als der Systembegriff insofern, als er auch auf die Welt und die Umwelt von Systemen angewandt werden kann [System – Umwelt – Welt]. Systeme können als komplex bezeichnet werden, wenn sie so groß sind, dass sie nicht mehr jedes Element mit jedem anderen verknüpfen können. Nach mathematischen Gesetzlichkeiten wachsen bei arithmetischer Vermehrung der Zahl der Elemente die zwischen ihnen möglichen Relationen in geometrischer Proportion. Komplexe Systeme sind dadurch charakterisiert, daß sie das mathematisch Mögliche nicht realisieren können (Luhmann 1980: 237).

Zeit ist „extension of choice“ – Zeit kompensiert die Nachteile von Größe. Zeit gleicht das mit Wachstum proportional sich verschärfende Selektionsproblem zum Teil wieder aus (Luhmann 1980: 239).

Ausschließungen werden in Vertagungen umgewandelt. Das Nebeneinander (sozial) wird in ein Nacheinander (zeitlich) umgewandelt (vgl. Luhmann 1980: 239).
Siehe: Termine als funktionale Äquivalente für Themen? (Tacke)

Temporalisierung von Komplexität hat ihren Wirkungsbereich nicht nur im zeitlichen Nacheinander, im zeitlichen Übergriff über längere Zeitstrecken oder in der Beschleunigung; sie verändert im Hinblick darauf den Formenreichtum und den Dispositionsbereich der Gegenwart, weil sie Formen ermöglicht, die für verschiedene Wechselschicksale zugleich bereitgestellt werden (Luhmann 1980: 239f.).

Luhmanns These: Die moderne Gesellschaft reagiert auf zunehmende Temporalisierung von Komplexität mit der Historisierung von Zeitvorstellungen (Luhmann 1980: 243f., FN 20).

Zeitgrenze (Luhmann 1980: 246).

Gliederungsüberlegung II

Wozu Geschichte?
Zum Sinn gegenwärtiger Vergangenheiten in sozialen Systemen


I. Einleitung: Zwei Bielefelder Schulen unter einem Dach 

  1. Wieso so wenig wechselseitige Resonanz?
  2. Wozu Gesellschaft und wozu Geschichte?
  3. Zur schiefen Selbstreferenz der Geschichtswissenschaft
  4. Wo bleibt die Gemeinschaft in der Luhmann’schen Theorie?

II. Evolutionstheorie und Geschichtstheorie – ein Gegensatz?

  1. „Geschichte und Gesellschaft“ als Zeitstrahl und Seismograph
  2. Problem doppelter Kontingenz – ein Blick auf Zufall, Zeit und Gedächtnis
  3. Sinngeschichte – Systemgeschichte – Weltgeschichte

III. Geschichtswissenschaft und Soziologie als soziale Systeme  

  1. Eine (zu) knappe Einführung in die Theorie sozialer Systeme
  2. Die wissenschaftliche Kommunikation der Gesellschaft
  3. Zu wechselhaften Beziehung zwischen beiden Disziplinen
  4. Public History – Historiologie zwischen Geschichte und Geschichten

IV. Geschichtstheorie – Geschichtsbindung und Geschichtslosigkeit

  1. Geschichte in Interaktionssystemen – undifferenzierte Geltung
  2. Geschichte in Organisationssystemen – ungleichgewichtete Seiten
  3. Geschichte in Funktionssystemen – ???

V. Anfang und Ende als Problem intermittierender Systeme

  1. Intimsysteme und Liebesgedächtnisse
  2. Gruppensysteme und Meinungsgedächtnisse
  3. Bewegungssysteme und Protestgedächtnisse

VI. Schlussbetrachtung: Kein Anfang und Ende der Geschichte


 


Wozu Geschichte?
Zum Sinn gegenwärtiger Vergangenheiten in verschiedenen sozialen Systemtypen auf unterschiedlichen sozialen Systemebenen


Einleitung: Die noch (zu) unterbelichtete Prominenz der Zeitdimension

  1. Problem doppelter Kontingenz – ein Blick auf Zufall, Zeit und Zeitgeschichte

    I. Soziale Systeme – Zur problematischen Unterscheidung von Ebenen und Typen
  2. Zur fehlenden „Gemeinschaft“ in der Luhmann‘schen Systemtheorie
  3. Annäherungsversuche an eine quantitative Bestimmung qualitativer Brüche
    Siehe: Mandelbrot, Fraktale und Selbstähnlichkeiten

    II. Geschichtstheorie – Anfang und Ende als Problem intermittierender Systeme
  4. Sinngeschichte – Systemgeschichte – Weltgeschichte
  5. Intimsysteme, Liebe und Körpersprache – ziemlich einsame Gemeinschaften
  6. Gruppen, Meinung und Bildsprache – meist unsichtbare Gemeinschaften
  7. Organisationen, Entscheidung und Schriftsprache – ganz unnormale Gemeinschaften
  8. Bewegungssysteme und Protest – oft sehr laute Gemeinschaften

    III. Empirische Fälle – Zur Soziologie des intermittierenden Fanatismus 
  9. Ultras – Fanatismus ohne Pause?
  10. Nationalsozialismus – Fanatismus ohne Grenze(n)?
  11. Terrorismus – Fanatismus ohne Regularien?

Schlussbetrachtung: Kein Ende der Geschichte in der „nächsten“ Gesellschaft

Gliederungsüberlegung I

Einleitung: Die noch (zu) unterbelichtete Prominenz von Geschichte

  1. Problem doppelter Kontingenz – ein Blick auf Zufall, Zeit und Zeitgeschichte

    I. Soziale Systeme – Zur problematischen Unterscheidung von Ebenen und Typen
  2. Zur fehlenden „Gemeinschaft“ in der Luhmann‘schen Systemtheorie
  3. Annäherungsversuche an eine quantitative Bestimmung qualitativer Brüche

    II. Geschichtstheorie – Anfang und Ende als Problem intermittierender Systeme
  4. Sinngeschichte – Systemgeschichte – Weltgeschichte
  5. Intimsysteme und Liebe – ziemlich einsame Gemeinschaften
  6. Gruppensysteme und Meinung – meist unsichtbare Gemeinschaften
  7. Organisationssysteme und Entscheidung – ganz unnormale Gemeinschaften
  8. Bewegungssysteme und Protest – oft sehr laute Gemeinschaften

    III. Empirische Fälle – Zur Soziologie des intermittierenden Fanatismus 
  9. Ultras – Fanatismus ohne Pause?
  10. Nationalsozialismus – Fanatismus ohne Grenze(n)?
  11. Terrorismus – Fanatismus ohne Regularien?

Schlussbetrachtung: Kein Ende der Geschichte in der „nächsten“ Gesellschaft

Das Twitter-Dilemma: Falschzählen und Wahrnehmen #1

Zur Simulation von Interaktion und Gesellschaft im Internet.

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Seit einiger Zeit plagt mich ein größeres Problem: Ich habe „mich“ bei Twitter mit einem meiner vielen Accounts unfreiwillig ausgeschlossen, mir den Zugang versperrt. Leider handelt es sich dabei ausgerechnet um meinen Lieblingsaccount, in den ich inzwischen viele Stunden Zeit zur Pflege investiert habe. Die Tür ist sozusagen hinter mir zugefallen. Der Schlüssel steckt auf der anderen Seite, während ich „hier“ stehe. In der modernen Gesellschaft sicherlich kein Problem – in der bereits nächsten, virtuellen Gesellschaft ein potenzielles Dilemma.

Beim besten Willen fällt mir mein Twitter-Passwort nicht mehr ein – da ich inzwischen auf so einigen Plattformen neben Twitter im Internet angemeldet bin und nicht mehr richtig auseinander halten kann, wo ich welchen Code zur Authentifizierung meiner Selbst gewählt habe. Das eigentliche Dilemma besteht jedoch erst darin, dass ich irgendwann zur „Sicherheit“ bei Twitter mal eingestellt hatte, per Handy-Code eine Passwort-Änderung auf Twitter verifizieren zu können. Jedes Mal, wenn ich per E-Mail eine Änderung des Türschlüssels anstoße, möchte Twitter wissen, ob ich denn auch der Richtige bin. Es möchte mich Wahrnehmen – den Zweifel beseitigen – Sicherheiten für Sicherheit haben. Das Problem: ich habe meine Handy-SIM-Karte verloren… sodass selbst der Twitter-Schlüsseldienst mir nicht mehr die Tür aufmachen kann bzw. will. Ich stecke fest… und die Konversation mit der Twitter-Servicelinie (Schätzungweise eine maschinelle Maschine) führt immer wieder an den Punkt, wo ich mich als ich ausweisen soll.

Soziologisch betrachtet bin ich in diesem Zuge auf ein durchaus informatives Phänomen, nämlich ein Problem gestoßen, welches unter diesem Titel hier in nächster Zeit immer mal wieder behandelt werden soll. Es geht um die Frage von Identität, ob wir künftig noch zwischen Real und Fake im Internet unterscheiden können. Zumindest versuchen die Online-Plattformen dieser Welt beispielsweise durch blaue Häkchen die Realness einer Person zu simulieren. Aber wer garantiert mir, dass hinter einem verifizierten Account nur diese eine Person agiert… und nicht etwa ein ganzes Team unter diesem einem Namen?

Gesellschaftspolitik = Zivilgesellschaft?

Oberthema: Die Gemeinschaftsebene der Gesellschaft.

Thema: Wozu Geschichte? Zur Funktion gegenwärtiger Vergangenheiten in unterschiedlichen Systemtypen auf verschiedenen Systemebenen.

Schlagworte: Zeitgrenzen, Halbwertszeit, Gates, Tunnel & Schwarze Löcher.

Zeitplanung: Exposé bis Juni 2017 | Postexposé ab 1. Oktober 2017

Exposé: Die Beschreibung des Vorhabens sollte auf folgende Fragen eingehen & entsprechend gegliedert sein:

  • Forschungsthema, Inhalte und Relevanz:
    Die mittlere Systemebene ist eine Schwachstelle der Luhmann’schen Systemtheorie. Die Unterscheidung zwischen Systemtyp und Systemebene gelingt hier noch nicht – so werden Organisationssysteme preislich als der erste und einzige Fall dieser mittleren Systemebene dotiert. Neben ihnen ist offiziell kein Platz für andere Gemeinschaftssysteme.
    Wenn Mitgliedschaft als Zeitgrenze konzipiert würde, ergeben sich spannende Anschlussfragen, wie soziale Systeme jeweils mit Zeit, Gedächtnis und Geschichte umzugehen suchen. Eine Antwort auf die Frage „Wozu Geschichte?“ verspricht keine allgemeingültige Antwort – gleichzeitig werden Zeit, Gedächtnis und Geschichte an einer überhaus prominenten Stelle im Rahmen der soziologischen Systemtheorie platziert #ProblemdoppelterKontingenz (vgl. Luhmann 1984). Hieran ließe sich anschließen.
  • Stand der Forschung: Geschichtssoziologie, Geschichtsphilosophie, Geschichtswissenschaft
  • Darstellung der Fragestellung und konkreter Forschungsfragen 1. Wie reflektieren Systemtypen ihren Anfang und ihr mögliches Ende?
    2. Wie gehen intermittierende Systeme mit dem Problem der Kontinuität um?
    3. Wie umgehen intermediäre Systeme das Problem der Schwarzen Löcher?
  • Auf welche wissenschaftlichen Theorien wird Bezug genommen? Systemtheorie, Gesellschaftstheorie, Interaktionstheorie, Organisationstheorie, Gedächtnistheorie(n) und Geschichtstheorie(n).
  • Welche wissenschaftlichen Methoden sollen angewendet werden? Qualitative & Quantitative Sozialforschung – Kommunikation mit Zettelkästen. 
  • Welche Vorarbeiten (z.B. Literaturauswertung) wurden bereits geleistet? siehe: Masterarbeit, siehe: Free-Rider-Seminare
  • Liegen bereits eigene Publikationen vor, die sich auf das Promotionsvorhaben beziehen? Nein. Siehe: Masterarbeit.